LESERPROBE: Höhenangst im Bergischen (Ein Hannes König Krimi – Band 2)
Kapitel 1: Hitze, Hopfen und Hausmannskost
Es war eindeutig zu heiß für Verbrechen. Und erst recht zu heiß für körperliche Arbeit. Hannes König saß im Schatten der großen, ausgeblichenen Markise vor der Gaststätte „Alt Langenberg“ und betrachtete missmutig eine Wespe, die versuchte, in seinem frisch gezapften Pils zu ertrinken. Die Luft in den engen Gassen der Altstadt stand wie eine Wand. Das Thermometer an der Apotheke gegenüber zeigte gnadenlose 32 Grad an.
Hannes griff umständlich in seine Westentasche und zog eine zerknautschte Schachtel Zigarillos hervor. Er angelte sich ein Streichholz, riss es an und paffte genüsslich die erste blaugraue Rauchwolke in die stehende Hitze.
„Dass du bei der Affenhitze auch noch qualmen musst“, tönte es hinter ihm. Elfriede, die Wirtin, trat aus der dunklen Kühle der Gaststube. Sie wuchtete ein massives, schwarz emailliertes Backblech auf den wackeligen Bistrotisch. Unter dem rot-weiß karierten Geschirrtuch duftete es süß nach Pflaumen und Zimt.
„Hannes, stell dich nicht so an. Ich hab den Stand oben am Sender übernommen. Der Schützenverein hat mich gebeten. Wir müssen los!“
Kapitel 2: Schattenseiten
Der Aufstieg zum Hordtberg dauerte fünfundvierzig Minuten. Oben angekommen, steuerte Hannes zielstrebig auf den Bierwagen zu, ergatterte eine Flasche kühles Pils und suchte das Weite. Abseits des Trubels, dort, wo der gepflegte Rasen des Festplatzes in das wilde Unterholz des Waldes überging, fand er seinen Zufluchtsort: eine alte, moosbewachsene Bank im tiefen Schatten einer riesigen Buche.
Etwa zwanzig Meter entfernt, dort, wo das Unterholz dichter wurde, lag etwas, das dort nicht hingehörte. Ein helles Blau. Ein kräftiges Rot. Er ging langsam auf das Gebüsch zu. Vor ihm, halb verdeckt von abgeknickten Zweigen, lag ein junges Paar. Ein Mann und eine Frau, beide vielleicht Ende zwanzig. Sie lagen eng beieinander, fast so, als würden sie ein Nickerchen machen. Wären da nicht die Kabelbinder gewesen. Ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt. Breite, graue Klebestreifen verdeckten ihre Münder. Ihre Augen waren weit aufgerissen und starrten leer in das Blätterdach über ihnen.
Kapitel 3: Stille im Unterholz
Hannes blieb einen Moment lang regungslos stehen. Er atmete tief durch die Nase ein. Da war dieser andere Geruch, schwach, aber für jemanden mit vierzig Jahren Dienstzeit unverkennbar: eine süßliche, kupferne Note. Der Geruch von Gewalt.
Er ging in die Hocke. Die Haut fühlte sich kühler an als die Umgebungsluft. „Kein Puls“, murmelte Hannes leise. „Eintritt des Todes… schwer zu sagen bei der Hitze. Aber noch nicht allzu lange.“ Er sah sich um. Er war jetzt der Wächter. Der Zerberus vom Hordtberg. Er griff zum Handy und wählte die Kurzwahltaste 1.
„Kriminalkommissariat Mettmann, hier ist Gerd.“ „Moin, Gerd. Hier ist der König. Ich habe hier zwei Leichen. Gefesselt, geknebelt. Allem Anschein nach hingerichtet.“
Kapitel 4: Ein bekanntes Gesicht
Gerd hockte sich neben die Toten. Er zog vorsichtig am Kragen des blauen Funktionsshirts des Mannes. Dabei drehte sich der Kopf leicht zur Seite, und das Sonnenlicht fiel direkt auf das blutverkrustete Gesicht. Hannes sog scharf die Luft ein. „Verdammt“, entfuhr es ihm.
„Was ist? Kennst du den?“, fragte Gerd. Hannes kniff die Augen zusammen. „Das ist kein Tourist, Gerd. Das ist ein Bekannter. Erinnerst du dich an den Tratsch über die Frau Wiegang und ihren verschwundenen Liebhaber? Das hier ist Enrico. Der Tennislehrer, der angeblich mit ihrem Geld nach Südamerika abgehauen ist.“
Gerd zog die Augenbrauen hoch. „Sieht so aus, als wäre seine Reise hier am Hordtberg zu Ende gewesen.“
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