Mallorca stehen im Januar noch vor viele Feste bevor: Doch Heilige ehren ohne Sinn und Verstand?
In dieser Woche, wenn der Kalender mit der Hartnäckigkeit einer leuchtenden Werbeanzeige durch die Weihnachtszeit schreitet (die Weihnachtszeit auf Mallorca dauert bis 6. Januar, bis zum Tag der Heiligen Drei Könige), frage ich mich, was dieses Fest für meine Schülerinnen und Schüler im Teenager-Alter wirklich bedeutet. Nicht, was der Lehrplan sagt oder was die Internet-Plattformen programmieren, sondern was in ihrem Innersten Wesen davon übrig bleibt. Die Antwort, eher geahnt als ausgesprochen, ist beunruhigend. Weihnachten erscheint ihnen fern, altbacken, beinahe fremd. Sie begegnen den Festlichkeiten nicht so sehr mit Ablehnung oder Wut, sondern mit Gleichgültigkeit. Und Gleichgültigkeit, das wissen wir, ist vernichtender und geht tiefer als Kritik.
In jüngster Zeit ist oft die Rede von einer Rückkehr der Spiritualität. Nehmen wir die international bekannten, spanische Sängerin Rosalía und ihre Erfolge in der Musikszene mit ihren Songs. Wir sprechen hier von christlichen Symbolen, die ästhetisch recycelt werden, von einer gewissen Vorliebe für das Sakrale als Ornament. Doch diese Art neochristlicher Wiederbelebung zeigt sich nicht überall gleich. Sie hat weit mehr mit den großen globalen Städten zu tun als mit ländlichen Räumen – und erst recht nicht mit den Balearen. Hier gibt es keine Rückkehr, sondern Überlagerung: eine Schicht über der anderen, bis man nicht mehr weiß, was sich ganz unten befindet.
Der formale Teil des Christentums hat sich in Nichts aufgelöst, ist verschwunden. Die Entchristlichung ist nahezu vollständig, aber nicht immer sichtbar. Es gibt keine großen Brüche und keine antiklerikalen Manifeste. Stattdessen erleben wir eine Art Theatralisierung der volkstümlichen Gottlosigkeit. Feste werden mit Inbrunst gefeiert, jedoch ohne Glauben. Rituale bleiben als Gewohnheit erhalten, entleert von Sinn.
Ein klares Beispiel dafür ist das Sant-Antoni-Fest, das auf Mallorca am 16 und 17. Januar begangen wird. Es gibt die Lagerfeuer, Teufelskostümierungen, gereimte Glossen und brutzelnde Sobrasada auf dem Grill in rauen Mengen. All das wird massenhaft gefeiert. Doch wer war Sant Antoni, der Heilige Antonius? Was hat er in seinem Leben gemacht? Warum feiern wir ihn? Die Antwort ist meist Schweigen oder ein Scherz. Nicht, weil die Menschen böse oder unwissend wären, sondern weil wir die Tradition in ein Spektakel verwandelt haben.
Viele Feiern im Januar
Ein weiteres Fest, das im Januar ansteht, ist Sant Sebastià, der Stadtpatron von Palma. Es wird mit viel Musik, Grillfeuern auf öffentlichen Plätzen und einem Feuerwerk am 20. Januar. Am 5. Januar finden zudem zahlreiche Drei-Königs-Umzüge statt.
Wir ehren Heilige ohne Heiligkeit, feiern Namen ohne Biografie, bewahren leere Symbole wie Hüllen auf. Sant Antoni hatte – wie so viele andere – ein Leben, das auf eine einzige Sache ausgerichtet war: dem Herrn Jesus Christus zu folgen. Das ist kein nebensächliches Detail, sondern der Kern. Und dieser Kern ist aus dem kollektiven Narrativ verschwunden.
Mit Weihnachten geschieht etwas Ähnliches. Meine Schülerinnen und Schüler lehnen es nicht aus antichristlicher Haltung ab, sondern weil sie es schlicht nicht brauchen. Es spricht sie nicht an. Es sagt ihnen nichts über ihr eigenes Leben, ihre Zweifel, ihre Ängste. Weihnachten ist auf Konsum, Ferien und eine hitzige Ästhetik reduziert worden, die nichts weiter abverlangt. Ein Kind in der Krippe ist heutzutage eine Postkarte, keine Provokation.
Christentum, wenn es lebendig ist, ist nicht bequem. Es ist weder Folklore noch kulturelle Identität. Es ist eine radikale Herausforderung. Vielleicht haben wir es gerade deshalb vorgezogen, Weihnachten in ein Fest ohne Transzendenz zu verwandeln. Wir feiern, ohne zu glauben, singen, ohne zuzuhören, entzünden Feuer, um uns zu wärmen, aber nicht, um uns zu erhellen.
Auf den Balearen ist diese Situation besonders deutlich sichtbar. Wir sind Experten darin, die Form zu bewahren und dabei die zentrale Botschaft zu verlieren. Wir sagen gern: „Das hat man schon immer so gemacht“, wissen aber nicht mehr, warum. Und wenn es kein Warum gibt, gibt es auch kein Wozu. Alles bleibt im unmittelbaren Jetzt, in einem flüchtigen Genuss.
Vielleicht besteht die Herausforderung nicht darin, Weihnachten zurückzuerlangen, so, wie es einmal war, oder versteckte Katechese im Klassenzimmer zu betreiben. Vielleicht ist die Herausforderung einfacher – und zugleich schwieriger: wieder zu erzählen. Wieder sinnvolle Geschichten zu erzählen. Zu sagen, wer die Heiligen waren, was wir warum feiern. Und warum eine Winternacht bedeutsam sein kann. Nicht aufzuzwingen, sondern eine Erzählung anzubieten. Nicht zu moralisieren, sondern Tiefe zu geben. Jugendliche lehnen Sinn nicht ab – sie lehnen Leere ab, die als Tradition verkleidet daherkommt. Und vielleicht kann Weihnachten, wenn es seine stille Radikalität wiederfindet, uns doch noch etwas zu sagen haben.
Über den Autor:
Joan Miquel Riera ist Lehrer und Religionswissenschaftler. Der Mallorquiner ist darüber hinaus Kolumnist der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“.
Warum sich gerade die jungen Generationen von dem zur Tradition verknöchertem Gebaren auf der Insel spirituell nicht mehr angesprochen fühlen. Ein Meinungsartikel von Joan Miquel Riera. Weiterlesen

