Kreuzfahrtschiffe ahoi! So macht eine Topmanagerin der TUI Palma 2026 erstmals zum Ganzjahres-Hafen
Sie begann dort, wo andere ihre Urlaubsfotos machen: als Reiseleiterin. Heute steuert Wybcke Meier die Geschicke eines Milliardenunternehmens. Seit Oktober 2014 führt die 58-jährige Hamburgerin Tui Cruises, den zweitgrößten deutschen Kreuzfahrtanbieter, mit ruhiger Hand und klarem Zahlenfokus. Das Joint Venture von Tui aus Hannover und Royal Caribbean aus den USA hat sie zu einer Ertragsmaschine geformt – dreistellige Millionengewinne inklusive. Meier gilt damit als eine der erfolgreichsten Topmanagerinnen der Hansestadt.
Mallorca Magazin: Wie ist das Kreuzfahrt-Jahr 2025 für Tui Cruises gelaufen? Was ist ihr Fazit?
Wybcke Meier: 2025 war für Tui Cruises ein überaus erfolgreiches Jahr. Mit der Indienststellung der neuen „InTuition-Klasse“ und der „Mein Schiff Relax“ haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die spektakuläre Taufe mit unserem Markenbotschafter Robbie Williams, sehr erfolgreiche Themen- und Eventreisen sowie eine anhaltend starke Nachfrage nach organisierten, All-inclusive- und erlebnisorientierten Reisen unterstreichen diese positive Bilanz. Auch im Luxus- und Expeditionssegment konnten wir mit einigen Erstanläufen in neuen Destinationen und spektakulären Events – wie dem Gourmetfestival „Europas Beste“ in Hamburg – überzeugen. Die Kreuzfahrtbranche insgesamt zeigt sich äußerst robust und wachstumsstark, und wir sind mit dem Jahr 2025 sehr zufrieden. Dieser Kurs bestärkt uns darin, unseren Wachstumspfad konsequent fortzusetzen.
MM: Wie sehen die Prognosen für die kommende Saison aus?
Meier: Wir hatten ein erfolgreiches Jahr 2025 und die Vorausbuchungen für 2026 sind ebenfalls sehr vielversprechend. Tui Cruises wächst zudem weiter mit der Mein-Schiff-Flotte. Im Frühjahr haben wir die „Mein Schiff Relax“ in Dienst gestellt, die im Sommer 2025 Palma als Heimathafen genutzt hat. Im Sommer 2026 kommt das zweite Schiff unserer neuen „InTuition“ Klasse, die „Mein Schiff Flow“ – sie wird den Platz der „Mein Schiff Relax“ in Palma übernehmen und von Mallorca aus auf Reisen gehen.
MM: Wie wichtig ist Palma de Mallorca für Ihr Unternehmen? Wie sehen mögliche Pläne zum Aufbau einer festen Basis in Palma für Tui-Schiffe aus?
Meier: Palma gehört heute schon zu unseren wichtigsten Häfen, da wir hier den Turnaround der Mein-Schiff-Flotte im westlichen Mittelmeer durchführen. 2025 liefen wir Palma 47-mal an, seit dem Frühjahr setzen wir dort mit der „Mein Schiff Relax“ unsere neue „InTuition“-Klasse ein. Unsere Schiffe fahren nur in der Sommersaison im Mittelmeer – aber im Winter 2026/27 wird es ein Novum geben: Wir werden erstmalig auch in der Wintersaison 7-tägige Reisen ab/bis Palma anbieten. Für 2026 sind insgesamt 51 Anläufe der Mein-Schiff-Flotte im Hafen von Palma geplant, hinzu kommen noch sechs Anläufe mit unseren Luxusschiffen Europa und Europa 2 der Marke Hapag-Lloyd Cruises.
MM: Die Konkurrenz ist groß. Gerade hinsichtlich der Preise. Wie kämpfen Sie dagegen an, wo sehen Sie eigene Vorteile gegenüber den Mitbewerbern?
Meier: Der Kreuzfahrtmarkt ist im Tourismus weltweit, aber auch in Deutschland immer noch eine Nische. Kreuzfahrten machen weiterhin weniger als zwei Prozent der globalen Tourismuseinnahmen aus. Für Deutschland schätzt man das Gesamtpotential der Kreuzfahrt auf etwa 4,5 Mio. Gäste, aktuell sind es rund 3 Millionen – im Vergleich zu insgesamt 70 Millionen Urlaubsreisen, die die Deutschen jährlich unternehmen. Das heißt, es ist noch deutlich Potenzial vorhanden, darum müssen wir nicht über Preise nachsteuern.
MM: In Palma wächst seit Jahren die Kritik hinsichtlich der zunehmenden Zahl von Kreuzfahrturlaubern in der Stadt ähnlich wie in anderen Destinationen am Mittelmeer. Was sagen Sie Kreuzfahrt-Gegnern?
Meier: Die Diskussion nehmen wir sehr ernst und suchen den engen Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort – etwa mit dem Bürgermeister von Palma und den lokalen Behörden. Als Kreuzfahrtindustrie verstehen wir uns als Partner der Destinationen und setzen auf Kooperation und Austausch.
Kreuzfahrttourismus ist im Übrigen sehr gut planbar: Anläufe und Kapazitäten stehen lange im Voraus fest, sodass Gästezuflüsse und Transfers gezielt gesteuert und entzerrt werden können. Anders als beim Individualtourismus entsteht dabei kein zusätzlicher Druck auf den lokalen Wohnungsmarkt. Wie viel Tourismus eine Destination wünscht, entscheiden die Regionen selbst – wir respektieren diese Entscheidungen ausdrücklich.
Zugleich arbeiten wir daran, Wertschöpfung bewusster zu gestalten, etwa durch Übernachtungen im Hafen mit Schiffen wie „Mein Schiff Relax“ und künftig auch „Mein Schiff Flow“. So entzerren wir Tagesströme und ermöglichen unseren Gästen, Städte wie Palma entspannter und intensiver zu erleben. Gleichzeitig leisten Kreuzfahrtgäste einen relevanten wirtschaftlichen Beitrag: Auf der Mein-Schiff-Flotte buchen unsere Gäste auf einer neuntägigen Reise im Schnitt sechs Ausflüge und geben pro Ausflug rund 80 Euro in den Destinationen aus, hinzu kommen häufig An- und Abreise sowie Übernachtungen. Kreuzfahrt trägt damit messbar zur regionalen Wertschöpfung bei.
MM: Welche Trends (Familienreisen, Singles, Themenreisen, etc.) werden die kommende Kreuzfahrtsaison bestimmen?
Meier: Kreuzfahrten werden immer aktiver und erlebnisorientierter. Viele Gäste möchten sich bewegen, etwas ausprobieren und ihre Reise bewusst gestalten – an Bord genauso wie an Land. Wir sehen ein deutlich gewachsenes Bewusstsein für Fitness, Gesundheit und Ernährung. Ein weiterer wichtiger Trend sind Themen- und Eventreisen, mit denen wir gezielt Neukunden und sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Das reicht von den Klassikern wie der „Full Metal Cruise“, dem „Jeckliner“ oder der „Wild Cat Tattoo Cruise“ bis hin zu Leserreisen mit Bestseller-Autoren oder Musikreisen mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern. Gleichzeitig rücken aber auch die Reiseziele stärker in den Fokus: Unsere Gäste wollen Städte, Regionen und Kulturen intensiv entdecken, nicht nur ankommen und weiterfahren. Auch das Interesse an außergewöhnlichen Routen und entlegenen Regionen wächst.
MM: Ihre Flotte fährt hauptsächlich mit schädlichem Schweröl oder Diesel. Wann werden Sie auf nachhaltigere Treibstoffe umrüsten? Wie steht es mit der Umweltfreundlichkeit an Bord von Tui-Kreuzfahrtschiffen?
Meier: Wir betreiben eine der jüngsten Flotten weltweit und wir haben einen klaren Plan für Klimaschutz und zur Emissionsreduzierung. Wir investieren außerdem kontinuierlich in neue Technologien wie zum Beispiel so genannte Dual-Fuel- Motoren, die die Nutzung alternativer Kraftstoffe ermöglichen – auf der „Mein Schiff 7“ wird das beispielsweise mit grünem Methanol möglich sein. Die „Mein Schiff Relax“ hat in diesem Jahr bereits zweimal Bio-LNG in Barcelona gebunkert. Zudem nutzen wir überall dort, wo möglich, Landstrom. Wir setzen seit Gründung auf Energieeffizienz, indem wir zum Beispiel unsere Fahrpläne optimieren und innovative Lösungen testen, um den Treibstoffverbrauch kontinuierlich zu senken. Unsere Klimaziele gehen über die internationalen Standards hinaus – bis 2030 planen wir mit der Tui eine wissenschaftlich verifizierte CO2-Reduktion um 27,5 Prozent.
MM: Welche persönliche Beziehung haben Sie zu Mallorca? Wie beurteilen Sie die derzeitige Entwicklung dort hinsichtlich Overtourism, Immobilienpreise, Authentitätsverlust, etc.?
Meier: Mallorca ist für mich persönlich seit vielen Jahren ein besonderer Ort – als Urlaubsziel, als Destination unserer Gäste und Schiffe, und als Sinnbild für den Wandel, den touristische Destinationen durchlaufen können. Die Insel hat eine enorme Strahlkraft, gleichzeitig sehen wir sehr deutlich die Herausforderungen, die mit ihrem Erfolg einhergehen. Gerade deshalb halte ich einen bewussten, gelenkten Tourismus für entscheidend. Qualität vor Quantität, eine bessere saisonale und regionale Verteilung sowie Angebote, die Wertschöpfung vor Ort schaffen und Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft nehmen. Als Kreuzfahrtreederei tragen wir Verantwortung: Wir arbeiten wie bereits erwähnt eng mit Häfen und lokalen Partnern zusammen, investieren in moderne Schiffe, nutzen Landstrom und gestalten unsere Anläufe so, dass sie in bestehende Strukturen passen. Mallorca zeigt sehr klar, dass nachhaltiger Tourismus kein Schlagwort ist, sondern eine gemeinsame Aufgabe – für Politik, Wirtschaft, Reedereien und Gäste gleichermaßen.
Tui-Cruises-CEO Wybcke Meier steht im MM-Interview Rede und Antwort zum Kreuzfahrtboom sowie zum schmalen Grat zwischen Wachstum, Nachhaltigkeit und lokalem Widerstand – und wie ihr Unternehmen dabei Verantwortung übernimmt. Weiterlesen

