Auch das noch! Der Ballermann kommt jetzt als Musical groß auf die Bühne
Mallorca Magazin: Herr Müller, Sie sind der Autor und Produzent des Stücks. Wie halten Sie es mit dem Ballermann?
Sven-Oliver Müller: Ich kannte den Ballermann vorher nur aus Filmen und von meinen Autorenpartnern Matthias Dinter und Martin Ritzenhoff, die schon „Feuer, Eis und Dosenbier” und „Die Bademeister” geschrieben hatten. Einmal bin ich kurz durchgefahren. Als ich den Anruf bekam, ob ich ein Ballermann-Musical schreiben kann, bin ich hingeflogen und habe mir das genau angeschaut. Die Stimmung dort hat mich positiv überrascht. Die Menschen waren freundlich zueinander, es herrschte eine großartige Atmosphäre.
MM: Sie haben mit dem Komponisten und Musikproduzenten Harald Reitinger ein Musical entwickelt, das Sie selbst als „Mallorca-Musical” bezeichnen. Warum nicht als „Ballermann-Musical”?
Müller: Die meisten Leute denken, bei Ballermann gehe es nur um Saufen, Lallen und Rumhüpfen. Unser Musical ist aber ein aufwendig inszeniertes Stück, in dem die Musik in die Szenen und eine fast filmische Handlung integriert ist. Und das wollen wir auch nach außen zeigen. Bei uns kann man nicht laut besoffen ankommen und mitgrölen, bei uns darf man aber mitsingen. Das ist das Schöne.
MM: Was darf das Publikum im Theater am Marientor in Duisburg denn erwarten?
Müller: Wir können dieses Gemeinschaftsgefühl, was da am Ballermann besteht, mitnehmen ins Theater. Wer zu uns kommt, kann dreiviertel aller Stücke mitsingen, und das ist doch schon mal toll. Der darf auch aufstehen und Spaß haben. Es geht darum, Mallorca zu retten, es geht um eine Liebesgeschichte, wie sie jedes gute Musical braucht, und natürlich gibt es ein Happy End und viel Musik. Es sind zwei Stunden gute Unterhaltung, nicht nur Hüpfen, Klatschen und Döp, Döp, Döp.
MM: Angekündigt ist auch eine Afterparty nach den Vorstellungen.
Müller: In vielen Stadttheatern wird man ja rausgekehrt, damit man schnell um elf zumachen kann. Dann sitzt man in der örtlichen Pizzeria, wo seit zehn Jahren schon keiner mehr drin war, und sagt: Ach, die ganze gute Stimmung ist weg. Wir wollen das mitnehmen und auch nach dem Stück mit unseren Gästen feiern und zusammen sein. In der Woche ein bisschen kürzer, am Wochenende etwas länger.
MM: Worum geht es in der Handlung?
Müller: Es geht um einen bösen Antagonisten, der unser Lieblingslokal, den Bierpark, niederreißen möchte, damit er dort ein Fünf-Sterne-Wellness-Hotel errichten kann. Alle, die das als ihre Party-Hochburg sehen, versuchen, ihn davon abzuhalten , so auch unsere Protagonisten, drei Mädchen und drei Jungen. Und ich glaube, man kann schon vermuten, dass es ihnen gelingen wird. Das Gute, Mallorca, wird bleiben.
MM: Die Protagonisten kommen auch nach Mallorca, um zu feiern und sich gehen zu lassen. Ist das mit Augenzwinkern gemeint?
Müller: Viele junge Leute fahren dorthin zum Feiern und zum Kennenlernen. Unsere Protagonisten – drei Jungs, von denen einer sich gerade von seiner Freundin getrennt hat – fahren dahin, um diese Trennung ein bisschen zu vergessen. Das ist ja nichts Schlimmes. Allerdings macht die Ex-Freundin mit ihren Freundinnen das genauso, und sie treffen da wieder aufeinander.
MM: Solange das nicht entgleitet …
Müller: Genau, solange das andere nicht belästigt oder schadet, ist es in Ordnung. In diesem Rahmen bewegen wir uns auch mit unserem Musical. Wir erzählen keine Exzesse, sondern ein lustiges Miteinander.
MM: Wen sprechen Sie mit dem Musical an?
Müller: Wir sprechen alle an, die auf Mallorca waren, weil sie viel wiedererkennen werden. Wir bringen ja ein Stück Lebensgefühl. Die Reichen sitzen neben dem Armen, der Junge neben dem Alten, man hat gemeinsame Lieder. Das verbindet, wie beim Kölner Karneval. Aber wir sprechen auch ganz klassische Musical-Gäste an. Unser Vorbild sind eigentlich Peter-Alexander-Filme. Es gibt eine schöne Spielhandlung, plötzlich fangen wir an zu singen, dann ist es wieder vorbei, und wir spielen weiter. Das spricht Musical-Freunde an, Party-Freunde, junge Menschen und alle, die Spaß haben. Das ist das Besondere an dem Musical: Es ist breit aufgestellt.
MM: Sie haben bekannte Ballermann-Stars wie Mickie Krause, Mia Julia und Tim Toupet in die Show integriert. Wie kam es dazu?
Müller: Harald Reitinger und ich überlegten uns, wie wir die Charaktere für unsere Zuschauer noch erlebbarer machen. Da kamen wir auf die Idee: Lass uns doch die einbinden, die die Hymnen schreiben. Die sind alle unsere Gäste. Die meisten sind auch große Fans vom Projekt. Sie treten bei uns auf und singen ihre Hits – neu arrangiert und neu interpretiert.
MM: Wie arrangiert und interpretiert man Ballermann-Hits neu?
Müller: Wir haben mit Mike Rötgens von Xtreme Sound einen der erfolgreichsten Ballermann-Musikproduzenten an Bord. Insofern war das nicht so schwierig. Und diese Ballermann-Hits sind nicht so schlecht wie ihr Ruf: Die Texte haben eine gewisse Intelligenz, und auch die Musik hat mehr zu bieten, als man denkt. Als Lorenz Büffel hier war und „Johnny Däpp” plötzlich in der Swing-Version hörte, meinte er: „Verdammt, unsere Musik klingt wirklich gut, wenn jemand ein Instrument spielen kann.”

Headautor und Produzent Sven-Oliver Müller: „Wir wollen Mallorca nichts wegnehmen, sondern diese mallorquinischen Lebensgefühle weiterleben lassen”. Foto: privat
MM: Wie weit gehen die Arrangements?
Müller: Wir haben vielleicht vorne etwas verlängert, etwas mehr auf größeres Arrangement geachtet, damit wir auch anspruchsvolle Choreografien hineinbringen können, nicht nur hüpfende Menschen, sondern wirklich Tanzszenen. Und dann kommen wir wieder zum Hit, so dass man mitsingen kann. Die Arrangements, die Harald Reitinger, Andi Slavik und Uli Fischer gemacht haben, sind echt groß. Die Burlesque-Version von „Layla”, die von Frauen gesungen wird, ist ganz anders und gar nicht skandalös.
MM: Lorenz Büffel ist auch im Boot. Was genau macht der?
Müller: Lorenz Büffel ist sozusagen unser Markenbotschafter. Ich denke, man kann ohne Ballermann-Stars kein Musical machen, das am Ballermann spielt. Lorenz hat schon früh davon erfahren, fand das gut und spannend und hat gesagt: „Da bin ich gerne dabei.” Wir haben eine kleine Rolle, die wir immer wieder prominent besetzen können, wenn jemand da ist – der Geist Mallorcas. Die werden auch an den Wochenenden auf unserer After-Show-Party auftreten können. Aber alle sind im Boot, von Almklausi über DJ Robin bis Mia Julia. Alle lieben das und unterstützen uns.
MM: Befürchten Sie nicht, dass durch so ein Musical das Klischee von Mallorca als Sauftourismus-Destination weiter gefestigt wird?
Müller: Wir versuchen ja gerade einen anderen Ansatz zu vermitteln. Es gibt dieses Freiheitsgefühl und diese Leichtigkeit, und die nehmen wir mit. Aber wir versuchen auch das Klischee zu brechen. Jeder, der zu uns kommt, wird überrascht sein, dass es ein richtiges Theater, ein richtiges Stück, richtige Choreografien und richtige Sänger sind. Wir haben eine riesige Bühne, zweieinhalb Stunden Material auf LED-Wänden mit Flughafen-Hintergründen, Bussen, landenden Flugzeugen. Das ist schon ein anderes Niveau als das, was man vermuten würde. Ich glaube, dass wir damit das Image von Ballermann-Musik durchaus anheben. Wir sind für Mallorca und für Urlaub mit Spaß, aber gegen Exzesse und Ausschreitungen.
MM: Tourismus-Marketing-Leute von Mallorca könnten befürchten, dass da eben wieder nur eine Seite von Mallorca zur Schau kommt.
Müller: Ganz ehrlich, wir haben keine Szene, die eine Wanderung im Norden von Mallorca zeigt oder die wunderschöne Kulinarik bespielt. Bei uns ist das eher ein bisschen „Was wir essen, können wir auch trinken”. Wir zeigen mehr die Spaß-Seite, was den Feiertourismus betrifft, als die kulturelle Seite. Die kulturelle Seite lebt aber auch davon, dass nicht alle Ballermann-Touristen in den Bergen wandern.
MM: Das Musical wird damit beworben, ein Musical zu sein, wie es das noch nie gegeben hat. Was ist die Einzigartigkeit?
Müller: Die Einzigartigkeit liegt in der Vielfältigkeit. Wir erzählen szenisch, und zwar mit komplett neuem Bühnenbild in jeder Szene. Das gibt es bei anderen Musicals nicht, sondern da gibt es eine Drehbühne, irgendwas rollt dazu, aber man bleibt auf dem Motiv. Wir erzählen die Geschichte wie einen Film. In diesem Film wird gesungen und getanzt, mit bekannten Hits in tollen Arrangements. Der Production Value ist hoch und der künstlerische Anspruch auch. Wir haben die Elemente Film, Comedy, Tanz, Musik plus Bühnenbild und einer tollen Lichtshow zusammengeführt und ein neues Erlebnis für einen Musical-Abend erzielt.
MM: Das Musical wird in Duisburg aufgeführt. Könnten Sie sich vorstellen, das auch mal auf Mallorca auf die Bühne zu bringen?
Müller: Ich habe schon drüber nachgedacht. Es ist ja ein bisschen wie Eulen nach Athen tragen. Aber als Event könnte ich mir das schon mal vorstellen – ich bin ja ein Kind der Generation „Wetten, dass..?” auf Mallorca. Dauerhaft aber eher nicht. Unsere Stärke liegt darin, dass wir diese Freude nach Deutschland holen und im Winter ein bisschen Mallorca-Gefühl vermitteln können. Wir wollen Mallorca nichts wegnehmen, sondern diese mallorquinischen Lebensgefühle weiterleben lassen.
MM: Sie haben bisher für Film und Fernsehen gearbeitet. „Malle Olé” ist Ihr Musical-Debüt, und Sie haben noch zwei weitere Musicals und ein Theaterstück in der Pipeline. Hat Sie die Bühne gepackt?
Müller: Ja. Jemand fragte mich: „Du schreibst doch gerade ein Musical, kannst du nicht auch dieses Thema aufgreifen?” Dann fällt einem auf, was für tolle Stoffe wir erzählen können und dass wir nicht immer nur abgelegte Vorlagen aus Amerika anschauen müssen, sondern eigene Geschichten haben. Es gibt tolle Figuren und musikalische Zeiten und Erlebnisse, die wir alle feiern können – unsere Boomer-Generation und die Jüngeren zusammen. Aber erst mal richtet sich unser Augenmerk vollkommen auf „Malle Olé – das Musical, das ballert”. Wir fangen am 3. Januar mit den Previews an, am 8. Januar ist dann die Premiere.
MM: Wie sind die Reaktionen bisher?
Müller: Ich habe noch nie so viele Leute gehört, die sagen, genau die Idee hatten wir auch schon. Hat aber noch keiner gemacht. Da sind Harald Reitinger und Uli Fischer zu loben, die vor vier Jahren die Idee hatten und sie durchgezogen haben. Ich bin froh, dass sie zu mir kamen, weil sie noch ein gutes Buch brauchten.
„Malle Olé – das Musical, das ballert”, heißt das Werk, das am 8. Januar in Duisburg Premiere hat. Ein Stück von höchstem künstlerischen Anspruch, wie sein Autor ernst versichert. Mit dabei sind auch bekannte Ballermann-Stars wie … Weiterlesen

